Hörbehinderung: Kein Problem!
- 26. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juni
Ich führte als schwerhörige Sonderpädagogin in der Teilintegration eigenständig eine Identitätsstunde für schwerhörige Jugendliche ein. Dort tauschten wir uns über Alltagssituationen aus, lernten unsere Hörbehinderung besser kennen und entwickelten gemeinsam Strategien und Lösungen. Unsere Erkenntnisse hielten wir in einem Heft fest.
Die Intention war einfach: Je besser wir über unsere Hörbehinderung Bescheid wissen und je selbstbewusster wir damit umgehen, desto weniger wird sie zum Problem.
Als wir der Lektion und dem Heft einen Namen geben wollten, war für die Jugendlichen sofort klar: KEIN PROBLEM!

Leider gilt Schwerhörigkeit oft als Behinderung, die lieber versteckt wird. Schwerhörige passen sich ständig an, funktionieren und leben unbemerkt über ihrer Belastungsgrenze. Sie werden oft mit Problemen und Mehraufwand verbunden. Das Umfeld zeigt sich zwar offen, aber unbeholfen, unsicher und bei zeitlicher Überbelastung gar kritisiert und genervt.
Schwerhörige als Superhelden
Marvel erschuf den Superhelden Blue Ear. Für mich steht er für etwas ganz Reales: Wir Schwerhörige besitzen eine Superkraft. Wir sind auf klare und verständnisvolle Kommunikation angewiesen. Genau diese geht im schnellen Alltag oft verloren. Darunter leiden nicht nur Schwerhörige, sondern alle Menschen.

Die Grenzen von Schwerhörigen zeigen, worauf es bei Kommunikation wirklich ankommt. Durch unser anderes Hören können wir sichtbar machen, was Menschen brauchen, um sich zu verstehen und verständlich zu machen. Das betrifft alle Altersgruppen. Gerade im Erwachsenenalter und im hohen Alter wird sichtbar, wie wertvoll bewusste und verständnisvolle Kommunikation für uns alle ist. Das macht uns zu Superheldinnen und Superhelden. Es braucht Zeit, uns zuzuhören :-) und genau hinzuschauen.
Wie von unserer Superkraft profitieren?
Jede Situation ist anders. Darum gibt es keine fertigen Lösungen. Aber wir Schwerhörige können Brücken bauen, indem wir unsere Wahrnehmung teilen. Leider sind Hörende oft verunsichert und nehmen Feedback oder Hindernisse, bei denen über Lösungen nachgedacht werden muss als Problem oder Kritik. Schwerhörige fühlen sich daher oft mehr als Problem, anstatt als wichtige Kreationsmenschen.
Unsere Wahrnehmung und Schwierigkeiten machen für alle Wichtiges und Unsichtbares der Kommunikation sichtbar. Das ist unsere Superkraft.
Wenn wir Schwerhörige es wagen, uns den Raum zu nehmen, um unsere Wahrnehmung zu teilen wird unsere Superkraft sichtbar. Fühlen wir uns willkommen und wird unser Einsatz positiv und konstruktiv genommen, kann von ihr profitiert werden.
Für uns Schwerhörige:
Wir Schwerhörige sollten ganz stark darauf vertrauen, dass wir genau da anstossen, was für alle wichtig und hilfreich ist. Wir sollten unserer Wahrnehmung treu bleiben, uns den Raum und die Zeit nehmen sie zuteilen und Schwierigkeiten zu formulieren, immer mit der Bewusstheit, dass wir es für alle tun. Diese Bewusstheit soll uns stärken, Verunsicherung Stress und Fragen, des Umfelds auszuhalten und nicht persönlich zu nehmen. Denn wir lösen Unsicherheit aus, wenn wir nicht sofort eine Lösung bieten. Oft macht es aber Sinn, in der Ratlosigkeit und Unbeholfenheit zu bleiben, damit das Gegenüber mitdenken muss und Lösungen anbieten darf. Durchs gemeinsame Fragestellen bleibt die Verantwortung für Kommunikation fair in der Mitte und Kreationsprozesse können entstehen.
Für das Umfeld:
Reagiert das Umfeld auf uns interessiert und willkommen heissend, können lehrreiche Prozesse entstehen. Sich Zeit zu nehmen, uns und Kommunikation kennen zu lernen, ist ein magischer Faktor. Durch gemeinsames Hinschauen und sich Fragen stellen wird Kommunikation ein gemeinsamer Kreationsprozess bei welchem sich Menschen mit verschiedenen Behinderungen und Kulturen und Nicht-Behinderungen kennen lernen. Ein Vertrauensraum, in dem ausprobiert, gelernt, Lösungen gefunden, Ideen geäussert, Intentionen geklärt und gegenseitiges Verstehen gemeinsam entwickelt wird. Ohne Vorwurf und Verzweiflung über Missverständnisse und Herausforderungen. Im Zentrum Interesse, um auf Augenhöhe gemeinsam Verantwortung zu tragen.

Zu verstehen und sich verstanden zu fühlen ist Grundlage für Zugehörigkeit, Identität, Verbindung und Liebe.
Shirs unterstützt Schwerhörige, ihre Superpower zu entdecken, damit wir die Kommunikation und das Leben aller vereinfachen können. Shirs zeigt mit der Kommunikations-Brücke, dass bewusste Kommunikation nicht schwierig ist.
Willst du dein Leben vereinfachen?
Schön bist du hier! Lass uns gemeinsam die Schwerhörigen-Identität stärken und die Kommunikations-Brücke bauen und leben! Doch, was ist denn die Kommunikations-Brücke? Das erfährst du hier: Was ist die Kommunikationsbrücke?